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Flagge zeigen auf Knopfdruck.

By Raimund / November, 15, 2015 / 0 comments

Die Schnelligkeit und Unmittelbarkeit der Social Media Kanäle hilft in vielerlei Hinsicht. Nach den Anschlägen in der Nacht vom 13.11. in Paris boten Einwohner Umherirrenden via Twitter einen sicheren Unterschlupf für die Nacht an. Um nur ein Beispiel zu nennen, das mir in positiver in Erinnerung bleiben wird. Ebenso schnell zur Stelle: Schlussfolgerungen, Vorurteile und Urteile. Polarisierung und Lagerbildung. Ich lese eine STERN Eilmeldung: „Einer der Attentäter war Flüchtling.“ Ich denke, Stern, Ihr wisst schon, was Ihr mit so einer mal eben hingeworfenen Zeile anrichtet, oder? (nicht?)

Flagge zeigen?

Die zeitgleich reflexartig einsetzende Tricolorisierung vieler Profilfotos auf fb mache ich nicht mit.

Warum bin ich jetzt nicht dabei? Beim Flagge zeigen. Gegenfrage: Wer sieht das? Meine fb Freunde in erster Linie, oder? Und bei denen setzte ich voraus, dass sie wissen, wo ich stehe. Dass ich ebenso schockiert und traurig bin über die jüngsten Ereignisse. Dass ich Terror, Tyrannei und Unterdrückung ablehne. Für mich persönlich fühlt sich das „added a temporary profile picture.“ gerade viel zu sehr nach Modetrend an. Nach Etikettierung. Die Gegner unserer Gesellschaft werden wir mit dem temporär einheitlichen Erscheinungsbild nicht die Spur beeindrucken. Die freuen sich unterdessen schon darüber, dass erste Rückschlüsse gezogen werden, die weiter in Richtung Hass und Polarisierung zielen.

Polarisierung ist für mich auch einer der kontraproduktivsten Faktoren in allen momentanen  Diskussionen rund um die Themen Krieg, Flüchtlinge und Terror. Wir diskutieren nicht mehr miteinander sondern gegeneinander. Ein gutes Argument aus dem falschen Lager ist automatisch ein schlechtes Argument. Wir grenzen aus, wo wir integrieren sollten. Die Likes für das Teilen von Lustige Seites Status „Braune Flaschen gehören in die Tonne.“ sind wichtiger als der Versuch, Menschen aus Randgruppen zu integrieren. Wir informieren und bilden nicht, wir stigmatisieren. Schon in der Schule, in Sozialpädagogik zum Beispiel, wird gelehrt, dass wenn man jemandem immer wieder sagt, wie schlecht und böse er ist, das nur dazu führt, dass er ’s bleibt, oder gar erst wirklich wird. Was nützt das?

Ich weiß natürlich, dass alle meine facebook Freunde, die jetzt Flagge zeigen, dies nicht nur in ihrem Profilfoto tun und sich dessen bewusst sind, dass es weit mehr braucht, um etwas zu bewegen.

Dachte, ich betone das hier lieber noch explizit. Bin schon für weit weniger rausgeflogen.

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