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Respekt. Nein? Und Tschüss.

By Raimund / August, 23, 2015 / 2 comments

Der Kunde ist König. Die Kundin Königin. Und wie in jedem Königreich hoffen die Untertanen auf allzeit gütige und großherzige Monarchen. Herrscher, die ihr Volk mit Wertschätzung und Respekt regieren. Ich darf sagen, dass ich als Fotograf bisher nur mit ganz wunderbaren Königshäusern gesegnet war. Eines Tages aber …

Bei allem Respekt.

Das Kennenlerngespräch mit einer Coachin, die sich als Spezialistin für Führungskräfte auswies, begann freundlich und nicht auffällig anders als die meisten davor. Ich war ihr von meiner großartigen Kollegin Dorothee Elfring, die vor einiger Zeit nach Barcelona zog, empfohlen worden. „Ich bekomme von meinen Klienten die Rückmeldung, dass ich sehr klar bin. Sehr strukturiert.“ gab meine potentiell neue Kundin mir unter anderem zu verstehen. Die Art wie sie mir dann aber Visitenkarten- und vor allem Websiteentwürfe zu ihrem relativ neuen Business präsentierte, ließen mir ihr eingangs gesagtes eher wie das Pfeifen im Walde erscheinen. Schon auf Seite zwei der Vorschläge zu ihrer Website schaute ich in das Gesicht von Eva, einer lieben Freundin, Schauspielerin und Tänzerin, die ich in den letzten Jahren häufig porträtiert hatte. Mein Hinweis darauf, dass das Foto aus meiner Kamera stammt, wurde schlicht mit einem kurzen, beiläufigen „Aha.“ abgetan, um weiter die Entwürfe einer mir unbekannten Webdesignerin mit mir zu diskutieren. Es wurde immer klarer, dass es der Führungskräfteexpertin gar nicht darum ging, einen Fotografen auszuwählen, der menschlich und qualitativ passte, sondern möglichst viel für möglichst wenig Geld brachte.

Auf ihre Nachfrage nannte ich ihr meine Angebote. Auf die Visagistin könne sie ja verzichten, dann spare sie immerhin schon wieder Betrag X. Okay, an dieser Stelle sei gleich mal eingeschoben: Es ist in Ordnung, wenn Existenzgründer auf jeden Cent gucken müssen, aber es kommt sehr darauf an, wie man das kommuniziert. Bei allem Respekt.

Drei Wochen unklar.

Nach circa drei Wochen kam dann ein Anruf. Diese Frau Elfe, oder wie auch immer die hieß, die mich empfohlen hatte, würde für den Betrag X ein paar hochaufgelöste, retuschierte Fotos mehr bieten. Das sei außerdem die übliche Menge. Das hätte ihr auch ihre Webdesignerin gesagt. Kurzum, sie wolle nicht mehr als Betrag X ausgeben. Außerdem hätte sie mit einem Fotografen gesprochen, der ihr alles noch viel billiger angeboten hätte. Et cetera.

Ob ich nicht noch mal ein Angebot schicken möchte.

Respekt. Nein? Und Tschüss.

Nein.

Warum ich nicht gleich das tat, was ich dann letztendlich tat, weiß ich nicht mehr. Zwei Tage später erst antworte ich folgendes, per Mail: unter den gegebenen Vorraussetzungen möchte ich kein weiteres Angebot abgeben. Für die Realisierung Ihrer Website wünschte ich Ihnen weiterhin alles Gute.

 

2 Responses to Respekt. Nein? Und Tschüss.

  • Christian Müller

    Hallo Raimund, (du ist okay?)

    die einzig richtige Reaktion. Dennoch kann ich es sehr gut verstehen, dass du nicht sofort abgesagt hast. Geht mir manchmal auch so – auch wenn die Lage eigentlich klar ist.

    Gruß,
    Christian

    • Raimund

      Klar! Gerne Du. Danke für Deinen Kommentar, Christian. Und – Mit jedem Nein wird die Zeit bis zum nächsten kürzer. 🙂

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