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Weil der Moment zu schnell war. Ist der Schnappschuss unprofessionell?

By Raimund Verspohl / April, 20, 2017 / 0 comments

Anette Göttlicher, die bekannte Münchner Fotografin (göttlicher fotografieren), sagte auf facebook vor kurzem …

Fotografen machen keine Schnappschüsse. Eine gewagte These. Sie sagt, dass professionelle Fotografen keinen Schnappschuss machen, also nicht zufällig einen tollen Augenblick einfangen. Vielmehr machen sie das mit voller Absicht und somit gekonnt. Doch!, dachte ich sofort und kommentierte entsprechend. Klar machen die Profis auch Schnappschüsse. Ein Schnappschuss ist nichts, das einem Profi unangemessen oder unwürdig wäre.

Schnappschuss klingt nach Zufallstreffer.

„Klar, bei einer Hochzeit oder einer Familienreportage sind auch mal Schnappschüsse dabei. Aber nicht bei Landschaftsfotos. … “, „Schnappschuss klingt halt so nach Zufallstreffer.“, so Anette. Ja. Na und? Der Zufallstreffer gehört mit zum Repertoire, zur Ausbeute. Ich mache vergleichsweise immer sehr viele Fotos in einem Set. Unter anderem erhöhe ich doch so dem besonderen Moment, dem Glückstreffer, die Chance, auf meinem Chip zu landen. Das gehört für mich zum Handwerk. Oft entstehen auf diese Weise Fotos, die eindeutig mit zu den besten Ergebnissen aus der Serie gehören in Sachen Einzigartigkeit, Spannung und Ausdruck. Aber vor allem sagen sie Dir auch eines ganz deutlich. So einen Schuss kannst Du nie im Leben planen oder inszenieren. 

Zufall oder Umvorhersehbarkeit. Unter diesem Titel schrieb ich im August 2015 schon einmal über das Thema Zufallstreffer. Die erzählte Geschichte unterstreicht das oben gesagte doppelt und dreifach. Du kannst noch so routiniert sein, noch so gut planen und inszenieren. Dennoch passiert es, dass das spannendste Foto eben eins ist, das mit alledem nichts zu tun hat. Ein Schnappschuss. Zufallstreffer. Glück gehabt.

Vielleicht, Anette, erfinden wir ein neues Wort, das sich nicht so nach Zufall anhört?

 

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